Aktualisiert am 30.05.2017
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Unsere Geschichte

Die Lebenshilfe wurde im Jahre 1958 in Marburg von Eltern behinderter Menschen und Fachleuten gegründet. Den Anstoß dazu gab der holländische Pädagoge Tom Mutters. Vorher waren in Deutschland während der Nazizeit viele tausend Menschen mit Behinderung ermordet worden. Eltern wollten, dass ihre behinderten Kinder von der Gesellschaft akzeptiert mit allen Rechten aufwachsen und die nötige Unterstützung erhalten. Sie sollten Kindergarten und Schule besuchen, arbeiten und wohnen, Freizeit und Freunde haben können. Sie sollten so selbständig und normal wie möglich leben können. Dies alles gab es zu dieser Zeit noch nicht.
Deshalb gründete die Lebenshilfe eigene Kindergärten, Schulen, Werkstätten und Wohnheime. In einem geschützten Raum mit qualifizierter Betreuung sollten Menschen mit Behinderung einen Platz in der Gesellschaft finden. Die Lebenshilfe hat erreicht, dass viele Gesetze für Menschen mit Behinderungen verbessert wurden. Die Eltern machten die Lebenshilfe zu einer der größten Selbsthilfeorganisationen in Deutschland. Sie hat heute mehr als 500 Mitgliedsvereine und 16 Landesverbände. Die Lebenshilfe ist Elternverband, Fachverband und Träger von über 3000 Einrichtungen und Diensten der Behindertenhilfe in Deutschland.

In unserer Region im Osten Deutschlands verlief die Entwicklung bis 1990 anders. Es gab keine Vereine wie die Lebenshilfe, die sich der Hilfe für behinderte Menschen widmeten. Ein Teil der erwachsenen behinderten Menschen hatte allerdings Arbeit und war unter teilweise geschützten Bedingungen in den Arbeitsalltag einbezogen. Mit dem Zusammenbruch der DDR im Jahr 1990 brachen auch die Arbeitsplätze der behinderten Menschen und ihre Betreuung weg. Ihre Eltern mussten schnell Lösungen finden, wie die weitere Betreuung, Hilfe und Förderung organisiert werden konnte. Am Beispiel der Lebenshilfe im Westen Deutschlands organisierten sich 1990 die Eltern behinderter Menschen in unserer Region und gründeten Lebenshilfe-Vereine.

Unser heutiger Verein Lebenshilfe Mittweida e.V. wurde am 19.09.1990 von 13 Eltern geistig behinderter Menschen in Frankenberg/Sachsen gegründet. Am 01.10.1990 wurde der Verein unter Nr. 163 im Vereinsregister am Amtsgericht Hainichen eingetragen. Damit erlangte er seine Rechtsfähigkeit. Durch die Mitgliedschaft in Landesverband und Bundesvereinigung Lebenshilfe sowie im Paritätischen Wohlfahrtsverband erfolgte die Anerkennung als Träger der Freien Wohlfahrtspflege. Auf dieser Basis konnten Einrichtungen der Behindertenhilfe gegründet und ihre Anerkennung beantragt werden. Bereits im Januar 1991 konnte so der Betrieb einer Werkstatt für behinderte Menschen in einem alten gemieteten Fabrikgebäude in Frankenberg beginnen. Damit war das erste Ziel, wieder eine Tagesstruktur mit Betreuung, Förderung und Arbeit für die behinderten Menschen zu schaffen, erreicht. Die Bedingungen waren allerdings alles andere als gut. Durch den schnell wachsenden Bedarf und die sich entwickelnde staatliche Unterstützung wurden aber schon 1993 die Weichen für einen Werkstatt-Neubau in Mittweida gestellt. Von 1992 bis 1998 wurden Außenstellen der Frankenberger Werkstatt in Flöha, später Mittweida betrieben. Am 2. Februar 1998 konnte der Werkstatt-Neubau mit 140 Plätzen in Mittweida bezogen und die alten angemieteten Betriebsteile geschlossen werden. Im Jahr 2001 wurde ein Anbau mit 30 Plätzen für psychisch Kranke an die Werkstatt in Betrieb genommen. Die Werkstatt ist heute Arbeitsplatz für ca. 200 behinderte Mitarbeiter.

Am 1.September 1994 übernahm die Lebenshilfe als Freier Träger in Mittweida den Kindergarten Goethehain und machte ihn zur ersten Integrativen Einrichtung der Stadt. Auf den 89 Plätzen dürfen bis zu 12 behinderte Kinder in die Gruppen integriert werden. Der Integrationsgedanke und das pädagogische Konzept haben von Anfang an guten Anklang bei den Eltern gefunden. Mit Unterstützung der Stadt wurde die Einrichtung schrittweise saniert und ist heute in einem sehr guten Zustand.

Am 1. September 1996 wurde aus dem Bedarf von Familien mit behinderten Kindern heraus der Familienentlastende Dienst (FED) gegründet. Er übernahm auch sofort die heilpädagogische Betreuung von Schülern der Förderschule für geistig behinderte Kinder während der Ferienzeit. Am Kindergarten Goethehain wurden Räume für den FED geschaffen, um einen Anlaufpunkt und Betreuungsmöglichkeiten zu haben.

Am 1.April 1997 wurde das Ambulant Betreute Wohnen für geistig behinderte Menschen auf Basis einer Vereinbarung mit dem Sozialhilfeträger geschaffen. Zuvor waren jahrelang Einzelfälle von uns rein ehrenamtlich betreut worden, was nicht mehr zu schaffen war. Heute sind es über 40 Betreute, die wir beim selbständigen Wohnen unterstützen.

Die Entwicklung unseres Vereines ist zu einer echten Lebenshilfe für die behinderten Menschen und ihre Familien in der Region geworden. Mit den Einrichtungen und Diensten konnten auch Arbeitsplätze für Fachkräfte geschaffen werden. Für die erfahrene Hilfe und Unterstützung sind wir der Gesellschaft und allen Partnern und Freunden dankbar.